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Cavazzen-Kontor

 

  • © Christian Flemming

© Christian Flemming

Die Raumflucht, die sich entlang der Ostseite des Gebäudes vom Großen bis in den sog. Kleinen Cavazzen erstreckt, diente zuletzt als stimmungsvolle Bühne für den Auftritt namhafter Künstler der Klassischen Moderne. Künftig öffnen sich die ehemaligen Sonderausstellungsräume als großzügiger Empfangsbereich mit Infoschalter, Museumsshop und Garderobe. In vielerlei Hinsicht kommt die vorgesehene „neue“ Bespielung einem „back to the roots“ gleich. Denn auch früher schon diente die Halle mit dem kapellenartigen Kreuzgewölbe dem Handel und der Begegnung.

Vom Handelskontor zur Bank

Zwar fehlen schriftliche Belege oder Bildquellen für die Zeit unmittelbar nach der Erbauung des Cavazzen; jedoch dürfte es sich wohl um Geschäftsräume gehandelt haben, in denen die Kaufmannsfamilie Seutter von Loetzen ihre Handelswaren lagerte und verwaltete. Johann Michael von Seutter, der Erbauer des Cavazzen, tritt in Frachtbriefen unter anderem als Exporteur von Leinwand und anderen Textilien in Erscheinung. Somit wird man sich – entsprechend zeitgenössischen Darstellungen anderer Handelskontore – Stapel mit Stoffballen entlang der Wände vorstellen dürfen, eine große Waage vielleicht, einen Schreibtisch. Gottlieb von Seutter, ein Urenkel des Johann Michael, richtet 1876 schließlich sein Bankgeschäft im Cavazzen ein. Nachdem mit Emil von Seutter das letzte Mitglied der Familie den Cavazzen 1911 verlassen hat, wird das alte Handelskontor an eine Bank vermietet.

Vom Archiv zum Lesesaal

Als Ludwig und Lydia Kick das Haus 1929 erwerben und in ihre neu gegründete Heimatstiftung einbringen, stellen sie sich einen Lindauer „Kulturspeicher“ im umfassenderen Sinne vor: Die Stiftungsurkunde bestimmt den Cavazzen zum Aufbewahrungsort nicht nur der städtischen Kunstsammlungen, sondern auch des Stadtarchivs, das 1930 in die zuletzt als Bank genutzten Räume im Parterre des Hauses zieht, während das Heimatmuseum die oberen Etagen belegt. Ende der 60er Jahre werden die Räume abermals umgewidmet: Das Archiv zieht aus; die Stadt entscheidet sich, an seiner Stelle im Cavazzen einen Lesesaal einzurichten, in dem Touristen sich bei schlechtem Wetter die Zeit vertreiben können. Erst 1991 wird auch diese Nutzung wieder aufgegeben und der „Lesesaal“ zur „Kunsthalle“.

Von der Kunsthalle zum offenen Forum

Im Zuge der laufenden Sanierungsarbeiten wurden nun nicht nur die Verblendungen der Fenster, sondern auch eine im späten 19. Jahrhundert eingezogene Trennwand behutsam entfernt. Offen und tageslichtdurchflutet stellt sich der Raum äußerst einladend dar – ganz im Sinne des neuen Museumskonzepts, das das Erdgeschoss des Cavazzen als ein offenes Forum oder auch Erweiterung des Marktplatzes ins Innere des Hauses begreift. Freunde der Kunstausstellungen im Cavazzen können übrigens unbesorgt sein: Auch für diese ist weiterhin Platz im Museum eingeplant. Davon wird noch zu hören sein.

Schild des Lesesaals von 1969, © Kulturamt Lindau
Der künftige Empfangsbereich aktuell, © Wolfgang Huang

 

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