Kultur Lindau
  • Paula Modersohn-Becker, Mädchenbildnis mit gespreizter Hand vor der Brust, um 1905, ©Von-der-Heydt-Museum, Wuppertal
  • Otto Modersohn, Sommerlandschaft mit Elsbeth und Paula Modersohn, 1902, ©Otto-Modersohn-Stiftung, Fischerhude
  • Paula und Otto Modersohn in ihrem Garten vor der Veranda, um 1904, ©Paula-Modersohn-Becker-Stiftung Bremen

Sonderausstellung Lindau 2020 - Kunstmuseum am Inselbahnhof

Paula & Otto  -  Kunst und Liebe im Aufbruch
Werke von Paula Modersohn-Becker & Otto Modersohn


Mit Werken von Paula Modersohn-Becker (1876-1907) und Otto Modersohn (1865-1943) präsentiert das Kunstmuseum Lindau im kommenden Jahr das bedeutendste deutsche Künstlerpaar des frühen 20. Jahrhunderts und führt das faszinierende Thema von Liebe und Kunst im Aufbruch zur Moderne vor Augen.
Anhand ausgewählter Werke aus Privatsammlungen, Kunststiftungen und Museen werden Arbeiten zweier herausragender Künstlerpersönlichkeiten in einen spannenden Dialog gebracht. Zudem wird in der Lindauer Ausstellungsserie auch erstmals eine bahnbrechende Künstlerin als Protagonistin der Moderne in den Blick genommen. Die Schau wird unterstützt durch die Paula-Modersohn-Becker-Stiftung in Bremen und die Otto-Modersohn-Stiftung in Fischerhude. Das Lindauer Kunstmuseum setzt damit seine Reihe zu Künstlern der Moderne mit bisher rund 600.000 Besuchern konsequent fort.

Otto Modersohn war bereits ein etablierter Landschaftsmaler und Hauptvertreter der Worpsweder Künstlerkolonie, als er die junge, lebensfrohe und hochtalentierte Paula Becker 1897 kennen lernte. Ihre ganz auf die Kunst ausgerichtete Ehe war von tiefer Zuneigung, großem gegenseitigen Respekt und einem intensiven Austausch über künstlerische Themen geprägt. Sie teilten eine Vorliebe für die fortschrittliche Malerei der Franzosen und setzten diese jeweils unterschiedlich in ihren eigenen Bildern um. Während Otto nach dem Vorbild der französischen Freilichtmalerei großartige Stimmungsbilder der Natur malte und am liebsten in der ländlichen Abgeschiedenheit arbeitete, interessierte sich Paula vor allem für die Darstellung von Menschen im freien Umgang mit Farben und vereinfachten Formen. Auch sie schätzte die ruhevolle Landschaft um Worpswede, doch immer wieder zog es sie fort in die pulsierende Kunstmetropole Paris, wo sie ihren Malstil weiterentwickelte und Meisterwerke der frühen Moderne schuf. Paula Modersohn-Becker gilt als Pionierin der modernen Malerei, die selbstbewusst ihre einzigartige Bildsprache in einer von Männern dominierten Welt der Kunst entwickelte. Die Ausstellung wirft damit ein Licht auf die damalige Stellung der Frau und die Suche eines überraschend fortschrittlichen Paares nach einem sinn- und kunsterfüllten Leben auf Augenhöhe.


Die Ausstellung beleuchtet, wie außergewöhnlich modern diese Künstlerbeziehung für die Zeit um 1900 war, wie Otto und Paula vor  ein- und demselben Motiv zu ähnlichen oder sehr individuellen Bildlösungen fanden, wie sie voneinander lernten, die Werke des anderen kritisch in den Blick nahmen oder ganz eigenständige Wege gingen.  So illustriert die Schau eindrucksvoll, wie es beiden in der Kunst und im Leben immer wieder gelang, die unvermeidlichen, den Umständen der Zeit geschuldeten Herausforderungen mutig zu begegnen, bevor Paula 1907 im Alter von nur 31 Jahren auf dem Höhepunkt ihrer jungen Schaffensjahre frühzeitig verstarb.

Das Team des Kunstmuseums arbeitet derzeit gemeinsam mit den beiden genannten renommierten Stiftungen an einer spannenden Sonderausstellung für das Jahr 2020, um möglichst viele wichtige und originale Leihgaben beider Künstler in Lindau zu präsentieren.

Ausstellungen der beiden Künstler waren in den letzten Jahren an großen, internationalen Häusern zum Beispiel in Bremen, Paris, Karlsruhe und Hamburg zu sehen. Damit reiht sich Lindau auch 2020 mit einer hochkarätigen Schau in das überregionale Kunstgeschehen ein und wird zu einem wichtigen Anziehungspunkt für Kulturinteressierte aus nah und fern.